Brettschichtholz (BSH)
Brettschichtholz (BSH): Klassen GL24–GL32, Lamellen, übliche Abmessungen, Spannweiten von 10–85 m und worauf in der Planung zu achten ist.
englisch: glulam
Getrocknete, gehobelte, von Fehlern befreite Lamellen werden flachseitig, faserparallel unter Druck verklebt. Holzfehler wie Äste liegen so nicht im selben Querschnitt. Das ist der Laminierungseffekt: Brettschichtholz hat eine höhere mittlere Festigkeit und eine geringere Streuung als Vollholz.
Wie wird es hergestellt?
Die Lamellen werden getrocknet, gehobelt, fehlerhafte Stellen herausgeschnitten und die Lamellen durch Keilzinkung auf die gewünschte Länge gestossen. Eine Lamelle ist bei geraden Bauteilen meist 45 mm, bei gekrümmten 33 mm dick; Radien unter 7 m erfordern noch dünnere Lamellen. Als Klebstoff dient heute fast ausschliesslich heller MUF; der ältere PRF ergab eine dunkle, rotbraune Fuge.
In den «c»-Klassen (kombiniert) liegen die festeren Lamellen in den am stärksten beanspruchten Randzonen, in den «h»-Klassen (homogen) sind alle Lamellen gleich. Der gekrümmte verklebte Träger ist keine neue Erfindung: Otto Hetzer erhielt 1906 das Patent dafür.
Dachtragwerke für Hallen, Hallenbäder und Fabriken
Brettschichtholz ist der klassische Baustoff für grosse, stützenfreie Räume: Dachtragwerke von Sporthallen, Hallenbädern, Produktions- und Lagerhallen, Ausstellungsräumen. Mit geringem Eigengewicht und schlanken Querschnitten überbrückt es grosse Spannweiten, und seine Form ist frei gestaltbar: gerade, Satteldach-, gekrümmte und Fachwerkträger sind möglich.
Im Hallenbad kommt ein Vorteil hinzu: Anders als Stahl wird Holz von chlorhaltiger Luft nicht angegriffen und korrodiert nicht. Voraussetzung sind eine richtig bemessene Lüftung und Feuchteregelung, die das Raumklima konstant halten.
Technische Daten
- Aufbau
- keilgezinkte Lamellen in einer Richtung verklebt; Lamellen 45 mm bei geraden, 33 mm bei gekrümmten Bauteilen
- Rohstoff
- meist Fichte; auch Kiefer, Lärche und Douglasie
- Festigkeit
- Standardklassen GL24c, GL24h, GL28c, GL32c (Biegefestigkeit 24–32 N/mm²); ohne Angabe GL24c
- Rohdichte
- je nach Holzart – Fichte 440–470 kg/m³
- Klebstoff
- heute fast ausschliesslich MUF (ca. 8,8 kg/m³)
- Übliche Abmessungen
- Lagerware 60–200 mm breit und 100–400 mm hoch; als Sonderanfertigung bis 2 m hoch und 50 m lang, gerade oder gekrümmt
- Norm
- EN 14080
- Wofür?
- Träger für grosse Spannweiten, Stützen, Rahmen, Bögen
| Breite \ Höhe (mm) | 100 | 120 | 140 | 160 | 200 | 240 | 280 | 320 | 360 | 400 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 60 | ● | ● | ||||||||
| 80 | ● | ● | ● | ● | ||||||
| 100 | ● | ● | ● | ● | ||||||
| 120 | ● | ● | ● | ● | ● | ● | ||||
| 140 | ● | ● | ● | ● | ● | ● | ● | |||
| 160 | ● | ● | ● | ● | ● | ● | ● | |||
| 200 | ● | ● | ● | ● |
● Standard-Lagerware. Grössere Abmessungen, andere Holzarten oder Festigkeitsklassen als Sonderanfertigung – bis 2 m Höhe und 50 m Länge.
Einsatzbereiche
- gerade Träger auf Stützen: 10–30 m Spannweite
- Dreigelenkbögen: 20–60 m; Fachwerkträger: 30–85 m
- Stützen, Rahmen, überhöhte und gekrümmte Träger – auch als Auflager für Brettsperrholzdecken
Beispiele
- Gödöllő (Ungarn), Stadtbad (2020). Eine der grössten Brettschichtholzkuppeln Ungarns: 42 Rippen von 22–30 m Länge, die acht Hauptrippen mit 140 × 18 cm Querschnitt. Die Kuppel spannt über 60 m, ist innen 24 m hoch und hat einen Feuerwiderstand von 60 Minuten. Quelle
- Darmstadt, Nordbad (2022). Hallenbad mit 1830 m² Wasserfläche: Das Dach besteht aus bis zu 30 m langen Brettschichtholzträgern und Brettsperrholzelementen, mit rund 15 m stützenfreier Spannweite über dem Lehrschwimmbecken. Quelle
- Langenthal, Produktionshalle (2003). Zweigelenkbogen aus Brettschichtholz (180 × 660 mm) mit Zugband aus Brettschichtholz (180 × 260 mm): 30 m stützenfrei, Binderabstand 5,62 m. Quelle
- Gödöllő (Ungarn), Bürogebäude und Showroom (2022–23). Im Dach arbeiten 310 m³ Brettschichtholzträger mit 232 m³ Brettsperrholz in den Decken zusammen – die Ausführung des Holzbaus haben wir geleitet. Quelle
Worauf achten?
- Brettschichtholz muss vor dauerhafter Feuchte, Niederschlag und Sonneneinstrahlung geschützt werden; unbehandelt vergraut es im Freien mit der Zeit.
- Mit Klebstoff Typ I (EN 301) hergestelltes Brettschichtholz kann in allen drei Nutzungsklassen des Eurocode 5 eingesetzt werden, mit Typ II nur geschützt (Klassen 1 und 2).
- Im Trockenen ist kein chemischer Holzschutz nötig; der Fachverband empfiehlt eine chemische Behandlung von Brettschichtholz auch nicht.
- Homogenes Brettschichtholz über GL24 ist teurer und hat längere Lieferzeiten – für höhere Festigkeit sind die kombinierten (c) Klassen wirtschaftlich.
- Die Maximalgrösse begrenzen Transport und Werk – bei grossen Bauteilen muss das am Anfang der Planung geklärt werden.
- Bewittert (Gebrauchsklasse 3.1 nach der deutschen DIN 68800) darf es nur aus Kernholz von Douglasie oder Lärche mit Lamellen bis 35 mm hergestellt werden.